Zuletzt aktualisiert: 4. Juni 2024

Rehwild bei der Jagd anzusprechen ist nicht immer so einfach, wie man sich das in der Theorie so vorstellt. Das gilt auch für die Altersbestimmung bei Böcken. Vor allem als Jungjäger.

Wir haben dir daher in diesem Artikel 12 Tipps & Regeln zusammengestellt, mit denen du Rehwild zukünftig besser ansprechen kannst und die dir die Altersbestimmung insbesondere von Rehböcken erleichtern werden.

Zusätzlich stellen wir dir einige der Anzeichen vor, die wir zwar teilweise geläufig sind, die aber keine zuverlässige Alterseinschätzung beim Rehwild zulassen.

Das Rehwild ist die mit Abstand häufigste Wildart in Deutschland. (Quelle) Trotz seiner weiten Verbreitung und der häufigen Begegnung mit Jägern, gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten zur Altersansprache.

Altersbestimmung Rehwild: Was sind also zuverlässige Kriterien, um den Rehbock sicher anzusprechen?

Körperform

Eines der wichtigsten und eindeutigsten Merkmale dafür wie alt ein Rehbock ist, ist der Körperbau des Tieres.

Junge Rehböcke sind schlank mit langen Läufen und haben einen fast schon quadratisch wirkenden Körper, der von den Hinterläufen, dem geraden Rücken, dem Bauch und den Vorderläufen gebildet wird. Der Träger ist eher dünn und lang und wird dabei hoch, fast senkrecht getragen.

Mit zunehmendem Alter wird die Körperform aufgrund der zunehmenden Muskelmasse rechteckiger und robuster. Der Träger wird stärker und nicht mehr so hoch getragen. Auch der Rücken fällt tendenziell nach vorne ab. Bei 4-jährigen Böcken oder älter wird das Haupt immer tiefer, fast waagerecht getragen.

Vorderläufe

Auch ein Blick von vorne auf die Vorderläufe kann hilfreich sein. Bei 1-2 jährigen Böcken stehen die Vorderläufe eher eng zusammen. Das führt dazu, dass jüngere Böcke häufig etwas schlaksig und langbeinig wirken.

Je älter der Bock und je kräftiger der Träger und Blatt werden, desto weiter stehen dann die Vorderläufe auseinander. Vorn vorne betrachtet, sieht es dann so aus, als ob der Körper zwischen den Vorderläufen liegt.

Die Körperform ist eines der wichtigsten Merkmale, um den Rehbock richtig ansprechen zu können.

Das Haupt

Bis zum dritten Lebensjahr verändert sich die Form des Hauptes beim Rehbock und endet mit dem Abschluss des körperlichen Wachstums und der vollen Entwicklung des Kiefers. Junge Böcke haben daher eher ein schmaleres Haupt.

Alte Rehböcke hingegen haben ein eher breiteres, eckigeres und scheinbar kürzeres Haupt.

Gesichtsausdruck

Auch der Gesichtsausdruck kann Aufschluss über das Alter des Bockes geben. Gerade bei Kitzen kennst du vermutlich das klassische „Kitzgesicht“. Dieser kindliche und neugierige Blick verschwindet im Laufe des Älterwerdens.

Ein älterer Bock hat einen eher ernsten, mürrischen Gesichtsausdruck.

In der Regel wirst du anhand des Gesichtsausdrucks auf den ersten Blick und eher intuitiv wahrnehmen, ob du es mit einem sehr jungen oder alten Bock zu tun hast.

Für eine genauere Einschätzung wirst du aber weiterer Merkmale benötigen.

Das Gesicht kann beim Rehbock durchaus "bunt" sein.
Das Gesicht kann beim Rehbock durchaus „bunt“ sein.

Gesichtsfärbung

Die Gesichtsfärbung zum Ansprechen des Rehbocks zu verwenden kann trügerisch sein. Dazu gibt es einfach zu viele Variationen beim Rehbock. Dessen solltest du dir bewusst sein.

Obwohl es viele Ausnahmen gibt, können bestimmte Muster ein Hinweis auf das Alter sein. Jährlinge haben in der Regel eine einheitlich dunkle Gesichtsfärbung.

Böcke mittleren Alters haben oft ein „Flickenteppich“-Gesicht, das sowohl den „ausgefransten“ Muffelfleck als auch dunkle Bereiche aufweist. Aber Achtung: Wenn der Muffelfleck sehr ausgeprägt ist, kann es so wirken als ob der Bock schon altersgrau erscheint.

Ältere Böcke haben in der Regel aber tatsächlich mehr graue Haare, was ihrem Haupt ein stumpfes, verwaschenes Aussehen verleiht. Aber auch hier gilt: Nicht jeder Bock mit grauem Haupt ist auch wirklich schon sehr alt.

Eine scharf abgegrenzte Maske deutet auf einen Bock mittleren Alters hin, während eine graue, verwaschene Maske auf ein älteres Tier hindeutet.

Muffelfleck

Der Muffelfleck beim Rehwild ist der helle, fast weiße Fleck oberhalb des Windfangs.

Es gibt die Tendenz, dass der Muffelfleck beim älteren Rehbock etwas „ausgefranst“ aussieht und sich nicht mehr so deutlich abgrenzt.

Da der Muffelfleck des Rehwildes aber grundsätzlich eher individuell ausgeprägt ist, ist eine zuverlässige Altersbestimmung hierüber nicht möglich. Zudem kann sich der Muffelfleck bei jedem Stück im Laufe der Zeit nochmal individuell verändern.

Haarkleid

Immer wieder ist es so, dass alte Böcke eine fahle, eher semmelgelbe Decke haben. Jüngere hingegen haben die Tendenz zu einer kräftigeren Farbgebung. Aber auch das gilt, wie für viele Merkmale auch, nicht grundsätzlich und für alle Rehböcke.

Dementsprechend ist es nicht ausgeschlossen, dass auch ein 2-jähriger Bock mal eine fahle Deckenfärbung hat und umgekehrt ein 5-jähriger Bock tief rotbraun gefärbt ist.

Tendenziell ist hier die Gesichtsfärbung aussagekräftiger. 

Haarwechsel

Der Haarwechsel des Rehwildes erfolgt 2-mal jährlich, einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Hierbei gilt, dass jüngere (und gesunde) Stücke früher verfärben (April/Mai und September) und ältere (und schwache) Stücke später (Juni und Oktober).

Ein Rehbock zum Beispiel im April bereits die rotbraune Sommerdecke trägt, ist vermutlich ein Jährling. Da der Zeitpunkt des Haarwechsel aber nicht nur vom Alter, sondern auch von der allgemeinen Kondition und Gesundheit des Bocks abhängt, ist der Haarwechsel für sich allein betrachtet kein ausreichendes Kriterium beim ansprechen.

Häufig lässt sich der junge Rehbock auch am jugendlichen und spielerischen Verhalten ansprechen.

Verhalten

Das Verhalten beim Rehbock kann ebenfalls Aufschluss über sein Alter geben.

Junge Böcke sind sorglos und neugierig und oft auch tagsüber aktiv. Sie wirken meist etwas unruhig und verhalten sich spielerisch. Auch siehst du Jährlinge häufig noch zusammen mit der Ricke und den Geschwistern. In der Regel zeigen sie noch kein territoriales Verhalten.

2-3-jährige Rehböcke werden dann zunehmen ängstlicher gegenüber anderen Böcken und schrecken allgemein schneller bei unbekannten Situationen. Jetzt haben sie auch erste, individuelle Territorien in denen sie herumstreifen.

Mit zunehmendem Alter ändert sich ihr Verhalten, sie werden vorsichtiger und misstrauischer und sind vor allem in der Abend- oder Morgendämmerung aktiv. Ihren Einstand verlassen sie oftmals erst im Dunkeln und ziehen morgens auch vor der Helligkeit wieder ein. Insgesamt wirken sie heimlicher und sind bei Störungen schnell wieder in der Dickung.

Gehörn

Die Entwicklung des Geweihs ist tatsächlich kein zuverlässiger Altersindikator. Denn auch junge, kräftige Böcke können ein gut entwickeltes Geweih haben, was oft zu Fehleinschätzungen führt.

So schiebt das Bockkitz im August bis September die Rosenstöcke, auf denen das sogenannte Erstlingsgehörn wächst. Dieses knopfartige Gehörn erkennst du am Fehlen der Rosen. Diese Bockkitze werden auch „Knopfbock“ genannt und sind gut erkennbar.

Nach dem Abwerfen schiebt der Bock dann als Jährling sein erstes Folgehörn und die Rosen entwickeln sich. Dieses Folgehörn kann schon bei einem Jährling jede Gehörnstufe (Spießer, Gabler, Sechser) annehmen, was eine Altersansprache nur aufgrund des Gehörns schwierig macht.

Die Stärke des Gehörns hängt nämlich maßgeblich mit Faktoren wie Ernährung, Erb-und Umweltfaktoren zusammen. Die Stärke des Gehörns ist somit auch je nach Habitat sehr unterschiedlich. Tendenziell entwickeln der Bock in unseren mitteleuropäischen Breitengeraden sein stärkstes Gehörn im Alter von 3-7 Jahren.

Es gibt im Folgenden aber doch noch ein paar Indikatoren, die du berücksichtigen kannst.


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Verfegen & Abwerfen

Hier gilt „Alt verfegt vor Jung“. Das heißt, ein älterer Bock verfegt sein Gehörn bereits ab März. Der einjährige Bock erst in der Zeit Mai-Juni.

Alt vor Jung gilt auch beim Abwerfen der Stangen. Alte Böcke werfen häufig schon im Oktober ab, jüngere Böcke hingegen später, so ab Dezember.

Rosenstöcke

Die Rosenstöcke schiebt das Bockkitz bereits drei Monate nach der Geburt. Je älter der Bock wird, desto größer wird ihr Durchmesser. Gleichzeitig werden die Rosenstöcke kürzer.

Bei einem sehr alten Rehbock kann es durchaus so wirken, als ob die Rosen direkt auf dem Haupt sitzen.

Hat ein Bock besonders starke Rosen, die leicht seitlich nach unten abfallen, spricht man von sogenannten Dachrosen. Aber auch hier gilt, dass dies lediglich ein Hinweis beim Ansprechen sein kann, denn auch gut veranlagte Jährlinge können Dachrosen haben.

Das Gehörn beim Rehbock ist nur bedingt zur Altersansprache geeignet.
Das Gehörn beim Rehbock ist nur bedingt zur Altersansprache geeignet.

Du wirst in deinem Jägerleben noch viel Rehwild im Anblick haben. Am Ende geht nichts über Erfahrungen sammeln, denn auch das Ansprechen bei der Bockjagd will gelernt sein.

Und die Altersschätzung setzt sich letztlich aus mehreren Merkmalen zusammen, für die du mit der Zeit das richtige Gefühl entwickeln wirst.

Altersbestimmung Rehwild: Der Quick Check

Ansprache 1-jähriger Bock(Jährling) 2-3-jähriger Bock 4-jähriger oder älterer Bock
Körperbau hochläufig, dünner & langer Träger, schmaler Körper Vorderläufe stehen noch eng, stärker werdender Träger, Haupt wird tiefer getragen Vorderläufe stehen breit, gedrungen, starker Träger, Haupt wird fast waagerecht getragen
Verfärben verfärbt als erstes im April und September verfärbt ab Mai und September Verfärbt später im Juni und Oktober, teilweise im Juni noch grau
Gehörn schiebt spät, fegt oft erst im Juni, wirft im Dezember ab wird früher geschoben, im April /Mai bereits verfegt, wirft im November ab wird sehr früh geschoben, Anfang April häufig schon vollständig verfegt, wirft erst Ende Oktober ab
Verhalten unruhig, verspielt, neugierig, in der Regel noch nicht territorial zunehmend ängstlicher gegenüber anderen Böcken, aber 2-jährige meist noch nicht territorial vorsichtig, misstrauisch, territorial, verjagt oft jüngere Böcke

Bilder: Depositphotos