Das Thema Jagdhundeausbildung ist vielfältig und komplex. Wir haben dir in diesem Leitfaden die grundlegenden Schritte zusammengestellt, die deinen Hund zum verlässlichen Jagdgefährten machen. Wir fokussieren uns dabei auf praktische Methoden, die Prägungsphase und wie du von Anfang an eine tiefe Bindung zu deinem Jagdhund aufbaust.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Prägungsphase ist entscheidend für die Entwicklung zu einem zuverlässigen Jagdbegleiter, und moderne Jagdhundeausbildung basiert auf den natürlichem Fähigkeiten deines Hundes und einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Hund und Führer, ganz ohne Zwang.

  • Die Grundausbildung legt das Fundament für die jagdliche Tätigkeit deines Hundes, wobei Befehle, Gehorsam und Schussfestigkeit schrittweise aufgebaut werden, optimalerweise unterstützt durch professionelle Anleitung und abgelegte Prüfungen.

  • Spezialtraining bereitet Jagdhunde auf verschiedene Szenarien vor und setzt ihre natürlichen Instinkte zielgerichtet ein. Sicherheit und Tierschutzstandards sind dabei zentral und schmerzhafte Trainingsmethoden unzulässig und ethisch nicht mehr vertretbar.

Der Weg zum zuverlässigen Jagdbegleiter

Die ersten Lebenswochen eines Jagdhundes sind prägend für sein späteres Verhalten und seine Fähigkeiten im Einsatz. Die Prägungsphase findet im Alter von 4-7 Wochen statt. Diese Zeit, in der junge Jagdhunde ihre Umwelt intensiv erkunden und lernen, ist entscheidend für die Weichenstellung ihrer zukünftigen Rolle als Jagdbegleiter.

In dieser Zeit kann vor allem der Züchter bereits die richtigen Grundlagen legen, indem hier bereits eine erste Gewöhnung an Wasser und Wild stattfindet.

Doch was zeichnet einen modernen Jagdhund darüber hinaus aus? Es ist das Zusammenspiel aus natürlichen Talenten und einer tiefen Verlässlichkeit, die ihn zu einem wertvollen Gefährten machen.

Die Ausbildung deines Jagdhunde beginnt bereits als Welpe.
Die Ausbildung deines Jagdhunde beginnt bereits als Welpe.

Die Ausbildung zum voll einsetzbaren Gebrauchshund besteht vor allem auch darin, die angewölften (angeborenen) Fähigkeiten deines Hundes zu fördern und zu festigen.

Hierbei gibt es je nach Hunderasse kleine und große Unterschiede. Ziel ist aber bei allen Hunderassen, den Jagdhund zu motivieren und ihn für die vielfältigen Aufgaben der Jagd vorzubereiten. Dies erfolgt heutzutage durch eine individuelle Herangehensweise, fernab von Härte oder Zwang, die früher leider nicht unüblich waren. Dein Hund darf und soll Freude am Lernen und an der Jagd haben.

Durch realitätsnahe Bedingungen im Jagdrevier wird der Hund dann optimal auf seine zukünftigen Herausforderungen vorbereitet.

Grundlagen der Hundeausbildung für die Jagd

Die Grundausbildung eines Jagdhundes legt das Fundament für alles Weitere. Grundlegende Befehle wie „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ sind dabei nur der Anfang. Gehorsam und Führigkeit werden durch die Einübung grundlegender Kommandos geformt. Die erforderliche Schussfestigkeit wird schrittweise aufgebaut und gesteigert. Netter Nebeneffekt der Schussfestigkeit ist übrigens, dass dein Jagdhund auch Silvester ganz entspannt erleben wird.

Eine professionelle Jagdhundeausbildung vermittelt diese Fähigkeiten in der Vorbereitung auf eine allgemeine Gehorsamkeitsprüfung, die einen systematischen Rahmen bietet und sicherstellt, dass der Jagdhund die Ausbildungsgrundlagen zuverlässig beherrscht. Ein erfahrener Ausbilder spielt dabei eine wichtige Rolle.

Du solltest hier darauf achten, dass der Jagdhundeausbilder auch tatsächlich Erfahrung in der Ausbildung und Prüfungsvorbereitung von Jagdhunden hat. Ein allgemeiner Hunde-Coach wird dir nur bedingt weiterhelfen können.

Die Jagdhundeausbildung basiert vor allem auf Grundgehorsam und grundlegenden Kommandos.
Die Jagdhundeausbildung basiert vor allem auf Grundgehorsam und grundlegenden Kommandos.

Die Rolle des Hundeführers von Jaghunden

Die Beziehung zwischen Jagdhund und Hundeführer ist das Rückgrat einer jeden Jagd.

Eine erfolgreiche Ausbildung setzt gegenseitiges Verständnis und eine feste Bindung zueinander voraus. Vertrauen und Verständnis sind nicht nur Schlüsselelemente, sondern essenziell für eine funktionierende Partnerschaft. Der Hundeführer muss daher:

  • eine konsequente Führung bieten

  • eine gemeinsame Sprache mit dem Hund entwickeln

  • die Körpersprache des Hundes lesen können

  • angemessen auf die Körpersprache des Hundes reagieren können

Die Fähigkeit, die Körpersprache des Hundes zu lesen und angemessen darauf zu reagieren, ist dabei von unschätzbarem Wert.

Führigkeit bedeutet, dass der Jagdhund den Kontakt zum Hundeführer auch über Distanz aufrechterhalten kann. Ein tiefes Verständnis für das Verhalten des Hundes ermöglicht es dem Hundeführer dann, den Hund sicher und effektiv zu leiten, was im jagdlichen Einsatz viele Vorteile mit sich bringt. Konsequenz in der Ausbildung bedeutet allerdings nicht Härte, sondern vielmehr, auf eine verständnisvolle und klare Kommunikation zu setzen.

Gothaer

Auswahl des passenden Hundes

Die Auswahl des richtigen Hundes ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum erfolgreichen Jagdbegleiter. Allgemein sollte dein Jagdhund eine gewisse Wesensfestigkeit mitbringen:

  • Gelassenheit, vor allem auch bei unbekannten Ereignissen

  • Die Fähigkeit zur Ruhe, vor allem die Standruhe

  • Schussfestigkeit

Diese Eigenschaften sind entscheidend, um das Potenzial als Jagdgefährte zu bewerten. Hinzu kommen Eigenschaften, die ein Jagdhund nicht haben sollte. Dazu zählen u.a. Aggressivität (Menschen und Tieren gegenüber), Wildscheue und übertriebene Ängstlichkeit.

Die Auswahl der Rasse sollte auch das zukünftige Einsatzgebiet und Jagdrevier des Hundes berücksichtigen, denn jede Rasse hat ihre eigenen Vorzüge für den jagdlichen Einsatz. Dieses Wissen hilft dabei, einen Jagdhund auszuwählen, der nicht nur den Charakteranforderungen entspricht, sondern auch die physischen Bedürfnisse der spezifischen Jagdsituationen erfüllen kann.

So unterscheiden wir je nach jagdlichem Einsatzgebiet die folgenden Rassegruppen:

  • Erdhunde (Terrier und Teckel)

  • Vorstehhunde( z.B. Deutsch-Kurzhaar)

  • Apportierhunde (Retriever)

  • Stöberhunde (Wachtel und Spaniel)

  • Jagende Hunde/ Bracken

  • Schweißhunde (z.B. Hannoversche Schweißhund)

Aufbau der jagdlichen Grundausbildung

Die jagdliche Grundausbildung eines Hundes baut auf der Prägungsphase (Alter: 4-7 Wochen) auf und ist entscheidend für dessen Wesensentwicklung und zukünftige Arbeit in der Jagd. In den darauffolgenden Wochen, der Sozialisierungsphase (Alter: 8 -12 Wochen) lernt der Jagdhundwelpe grundlegende Kommandos wie „Sitz“, „Platz“ und „Komm“ und beginnt mit der Sozialisation sowie der Einführung in unterschiedliche Umgebungen.

Durch die frühe Gewöhnung an typische Jagdszenarien, wie Wald und Wasser, sowie erste Schusserfahrungen, lernt der Jagdhund jetzt seine natürlichen Instinkte gezielt für die Jagd einzusetzen.

Jagdhund in der Prägungsphase
Jagdhund in der Prägungsphase.

Von der Theorie zur Praxis

Theorie und Praxis in der Jagdhundeausbildung müssen Hand in Hand gehen. Ein grundlegendes Verständnis dafür, wie ein Hund lernt, ist unerlässlich, um das Training sowohl effektiv als auch artgerecht zu gestalten. Die theoretischen Grundlagen müssen an die natürliche Verhaltensbiologie des Hundes angepasst sein, um ein effektives Lernen zu gewährleisten.

Praktische Anwendung bedeutet regelmäßige Übungen, die am besten täglich in kleinen Zeiteinheiten durchgeführt werden, um Überforderung zu vermeiden und den Lernerfolg zu maximieren.

Sicherheit und Tierschutz im Training

Sicherheit und Tierschutz spielen eine zentrale Rolle in der modernen Hundeausbildung. Schmerzhafte Mittel wie Stachelhalsbänder sind nicht nur verboten, sondern auch ethisch nicht vertretbar. Das Training sollte in kleinen, stressfreien Schritten erfolgen, um sowohl das Wohlbefinden des Hundes zu gewährleisten als auch den Tierschutzstandards gerecht zu werden.

Eine fachgerechte Umsetzung von Tierschutzverordnungen gewährleistet eine praxisgerechte und tierschutzkonforme Ausbildung. Ein zuverlässig trainiertes Stoppsignal kann den Jagdhund in Gefahrensituationen sofort stoppen und trägt somit wesentlich zur Sicherheit bei.

Ferntrainer mit Strom bzw. Teletakt-Geräte sind aus Tierschutzgründen nicht erlaubt.

Gothaer

Spezialtraining für Jagdhunde

Neben der Grundausbildung, die vor allem gibt es spezielle Trainingsbereiche, die deinen Jagdhund – je nach Rasse und Einsatzgebiet – auf unterschiedliche jagdliche Situationen vorbereiten.
Dazu gehören u.a.:

  • das Beherrschen spezifischer Jagdkommandos wie ‘Voran’, ‘Suchen’, und ‘Apport’

  • die Wasserarbeit

  • korrektes Apportieren

  • die Spurensuche bzw. Nachsuche

  • Bauarbeit

Diese spezialisierten Trainingsbereiche sind unerlässlich, um den Hund auf die individuellen Anforderungen der Jagd optimal vorzubereiten.
Im Wesentlichen unterscheiden wir dabei die „Arbeit vor dem Schuss“ und die „Arbeit nach dem Schuss“.

Spezialtraining: Jagdhund während der Wasserarbeit
Spezialtraining: Jagdhund während der Wasserarbeit

Anpassung an das Revier

Die Anpassung an das Revier ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung. Lokale Gegebenheiten und spezielle Geländebedingungen des Jagdreviers müssen im Training berücksichtigt werden, um den Jagdhund erfolgreich vorzubereiten. Akustische Signale wie Pfeiftöne müssen zuverlässig unter unterschiedlichen Jagdbedingungen funktionieren.

Effektives Reviertraining schließt das Üben von Jagdkommandos und die Konditionierung auf akustische Signale ein.

Vorbereitung auf jagdliche Prüfungen

Jagdliche Prüfungen sind ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung und erfordern eine individuelle und systematische Vorbereitung. Die Brauchbarkeit deines Hundes ist Voraussetzung dafür, dass du ihn jagdlich einsetzen darfst.

Die Brauchbarkeitsprüfung stellt je nach Jagdart und Bundesland verschiedene Anforderungen an den Jagdhund. In der Regel wird nach der Brauchbarkeit für die Nachsuche, Bewegungsjagden, Feld- und Wasserarbeit sowie der Baujagd unterschieden.

Um eine Jagdhundeprüfung erfolgreich zu absolvieren, ist die Teilnahme an einem entsprechenden Vorbereitungskurs empfehlenswert.

Teamarbeit: Hund und Jäger als Partner

Die Beziehung zwischen Jagdhund und Jäger ist geprägt von Teamarbeit und einer engen Bindung, die sich im Laufe der Ausbildung entwickelt. Diese Partnerschaft ist unerlässlich für eine erfolgreiche Ausbildung.

Nervenstärke und ein starkes Vertrauen zum Jäger sorgen dafür, dass sich der Jagdhund während der Jagd nicht von anderen Hunden ablenken lässt und die Zusammenarbeit effektiv funktioniert. Sozial jagende Hunde unterstützen ihre menschlichen Partner durch spezielle Verhaltensweisen, um beim Beute machen zu helfen.

Zusammenarbeit zwischen Hund und Jäger
Ohne die Zusammenarbeit zwischen Hund und Jäger geht es nicht.

Kosten und Hilfsmittel der Jagdhundeausbildung

Die Ausbildung eines Jagdhundes ist mit Kosten verbunden, die je nach gewähltem Kurs variieren können. Ein spezieller Jagdhundekurs, der über mehrere Monate geht, kann beispielsweise ab 500 Euro beginnen.

Für das Training werden zudem spezifische Hilfsmittel benötigt, wie verschiedene Leinenarten, Apportier-Dummys und Schleppwild. Regelmäßige Gesundheitschecks beim Tierarzt sind ebenso Teil der Ausbildungskosten wie eine angepasste Ernährung, die den höheren Energiebedarf von Jagdhunden gerecht wird.

Apport ist wesentlicher Bestandteil der Jagdhundeausbildung für Retriever und Vorstehhunde.
Der Apport ist wesentlicher Bestandteil der Jagdhundeausbildung für Retriever und Vorstehhunde.

Häufige Fehler und deren Vermeidung

Bei der Ausbildung von Jagdhunden können verschiedene Fehler auftreten, die vermeidbar sind, wenn wichtige Grundsätze beachtet werden. Eine schrittweise Ausbildung hilft, Stress zu vermeiden und eine solide jagdliche Grundausbildung sicherzustellen. Erfahrungen mit erfolgreichen Hundeschulen können dazu genutzt werden, die Ausbildungsmethoden anzupassen.

  • Fehlverhalten muss immer direkt unmittelbar korrigiert werden, damit der Hund hier eine Verknüpfung herstellen kann.

  • Keine langen Kommandos, sondern kurze und immer gleich lautende Kommandos verwenden.

  • Lieber häufiger und kurz trainieren, um Überanstrengung und Überforderung zu verhindern.

  • Erfolgreiche Aufgaben immer mit einem Erfolgserlebnis bzw. einer Belohnung abschließen.

Integration des Jagdhundes in den Alltag

Die Integration eines Jagdhundes in den Alltag muss keine Herausforderung sein, denn die meisten Hunde möchten vom Wesen her eine enge Bindung mit der Familie eingehen. Jagdhunde, die auch als Familienhunde geeignet sind, benötigen dabei sowohl in ländlicher als auch städtischer Umgebung genügend Auslauf und optimalerweise einen umzäunten Gartenbereich.

Um Jagdhunde, die nicht regelmäßig an der Jagd teilnehmen, körperlich und geistig zu fordern, können Hundesportarten wie Agility oder Obedience eine Alternative bieten. Nach einem Tag voller Aktivität ist es außerdem wichtig, dass der Jagdhund ausreichende Ruhephasen hat und einen eigenen Rückzugsort zur Verfügung hat.

Die Förderung der Führigkeit und die Einbindung in den Alltag spielen eine wichtige Rolle, um das Wohlbefinden des Jagdhundes zu maximieren und ihm ein ausgeglichenes Leben zu ermöglichen. So wird aus einem Jagdhund nicht nur ein zuverlässiger Jagdbegleiter, sondern auch ein treues Familienmitglied.

Dein Jagdhund sollte auch Teil der Familie sein.
Dein Jagdhund sollte auch immer Teil der Familie sein.

Zusammenfassung

Die Jagdhundeausbildung ist ein komplexer Prozess, der viel Hingabe und Fachwissen erfordert. Von der sorgfältigen Auswahl des passenden Hundes über die Prägungsphase im Welpenalter bis hin zur Ausbildung für unterschiedliche Jagdsituationen – jeder Schritt trägt dazu bei, einen zuverlässigen und treuen Jagdbegleiter zu formen. Die Rollen des Hundeführers und des Jagdhundes müssen klar definiert sein, und die Ausbildungsmethoden sollten immer dem Tierschutz und der Sicherheit des Hundes Rechnung tragen.

Die Jagd mit einem gut ausgebildeten Hund an der Seite ist nicht nur effektiver, sondern auch ein Zeichen von Respekt und Verantwortung gegenüber der Natur und den darin lebenden Tieren. Ein gut ausgebildeter Jagdhund ist ein kostbares Gut und eine Bereicherung für jeden Jäger.

Wir hoffen, dass dir diese Übersicht einen ersten Überblick zur Jagdhundeausbildung geben konnte und dir dabei hilft, gemeinsam mit deinem Hund erfolgreiche Jagderlebnisse zu schaffen.

Übrigens: Einen Jagdhund zu führen, ist immer wieder einer der häufigsten Gründe, um den Jagdschein zu machen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Wann beginnt die Prägungsphase beim Jagdhund und warum ist sie so wichtig?

Welche Grundkommandos sollte ein Jagdhund beherrschen?

Was versteht man unter Führigkeit bei einem Jagdhund?

Welche Ausrüstung benötige ich für das Training meines Jagdhundes?

Wie kann ich meinen Jagdhund im Alltag beschäftigen, wenn er nicht an der Jagd teilnimmt?

Bilder: Depositphotos, Midjourney