Warum solltest du überhaupt Jäger werden wollen und eine Jagdausbildung beginnen? Eines ist sicher, egal was deine Gründe sind, du bist mit dem Wunsch Jäger zu werden nicht allein. Denn das Interesse an der Jagd und damit die Zahl der Jäger und wächst in Deutschland seit einigen Jahren kontinuierlich.

Daten & Zahlen zum Jäger werden

Im Jagdjahr 2021/2022 (01.04.2021 – 31.03.2022) waren tatsächlich über 400.000 Frauen und Männer laut Deutschem Jagdverband (DJV) Inhaber eines gültigen Jagdscheins. Und die Zahlen steigen seit etlichen Jahren kontinuierlich. Mit 28% im Jahr 2021 machen auch immer mehr Frauen den Jagdschein.

Mit 17.606 Menschen haben im Jahr 2021 zwar weniger Leute an der Jägerprüfung teilgenommen als im Vorjahr, aber aufgrund von Corona gab es in diesem Jahr vielen Bundesländern weniger Prüfungstermine. Was auffällt ist, dass die Jägerprüfung nur 76% erfolgreich bestanden haben. Reines Interesse reicht also nicht um Jäger zu werden, Vorkenntnisse und eine gute Vorbereitung der Themen in der Jägerprüfung sind entscheidend.

Die Gründe all dieser Personen Jäger zu werden sind sicherlich individuell, aber viele haben ähnliche Gründe dafür den Jagdschein zu machen. Und das sind tatsächlich gute Gründe!

Intensives Naturerlebnis

Also warum Jäger werden? Bei der Jagd bist du unmittelbar in der Natur unterwegs, sei es Wald, Feld, Wiese oder Wasser. Um erfolgreich jagen zu können, musst du unsere Natur und Kulturlandschaft gut kennen und dich mit der heimischen Pflanzen- und Tierwelt vertraut machen.

Du bist nicht mehr länger Besucher unserer Wälder. Egal ob Ansitz oder Pirsch, egal welches Wetter gerade ist, du begibst dich in die Natur um ein Teil davon zu werden. Dadurch wirst du auch unsere Jahreszeiten und die damit verbundenen Zyklen innerhalb der Tierwelt stärker wahrnehmen und erleben.

Intensive Naturerfahrungen kannst du als Jäger wie sonst fast kein anderer erleben.

Gelebter Naturschutz

Die Aufgaben eines Jägers lassen sich nicht ausschließlich auf die Jagd reduzieren. In vielerlei Hinsicht verfolgen Jagd und Naturschutz die gleichen Ziele. Als Jäger bist du auch zur Hege des Wildes verpflichtet, d.h. du musst Sorge für den Erhalt ihres Lebensraums tragen.

Dazu gehören die Sicherung bestimmter Lebensräume wie Hecken, strukturreiche Wälder, Randstrukturen in der Landwirtschaf und allgemeine Lebensraumverbesserung, um ein paar Beispiele zu nennen.
Zusätzlich sind im Rahmen des Artenschutzes auch geschützte Pflanzen und Tiere Bestandteil der Jagdausbildung.

Als Jäger wirst du durch deine Ausbildung mehr zum Thema heimischen Naturschutz beitragen können als viel Andere und dich aktiv in die Erhaltung der Artenvielfalt und der Verbesserung sowie Erhaltung der entsprechenden Lebensräume engagieren.

Selbstversorgung mit Fleisch

Einer der Gründe Jäger zu werden, ist der Wunsch nach Selbstversorgung mit gesundem Fleisch bzw. Wildbret. Jeder der gerne Fleisch isst und dabei keine Massentierhaltung unterstützen möchte, steht vor der Herausforderung sich intensiv mit der Herkunft seines Fleisches auseinanderzusetzen.

Mit dem selbst erlegten Wild, kannst du als Jäger sicher sein, ein unbelastetes (ohne Antibiotikum u.ä.) und natürliches Lebensmittel zu verarbeiten. Egal ab Wildschwein, Hase, Reh oder Rotwild, keines der Tiere musste jemals in einem Stall ein trauriges Dasein fristen. Selbst die sogenannte „artgerechte Tierhaltung“ kann es nicht mit einem Tierleben in freier Wildbahn aufnehmen.

Da sich Wild deutlich mehr bewegt als Tier aus der herkömmlichen Fleischproduktion ist der Muskelanteil deutlich höher und dadurch fettärmer.

Das sind die gesundheitlichen Aspekte, die für eine Selbstversorgung mit Wildbret sprechen. Ein weiterer Aspekt ist, dass du als bekennender Fleischesser den gesamten Prozess der Fleischverarbeitung durchläufst. Das Fleisch, dass du auf deinem Teller hast ist nicht anonym und in Plastikverpackung dort gelandet.

Du hast das Wild selbst erlegt, ausgenommen, zerlegt und verarbeitet. Als Jäger bist du dir mehr als viel Andere darüber im Klaren, dass das Steak auf deinem Teller mal ein lebendes Tier gewesen ist. Und das hat auch etwas mit Wertschätzung dem lebenden Wesen gegenüber zu tun.

Die Selbstversorgung mit Fleisch kann ein Grund für die Entscheidung Jäger zu werden sein.

Tradition, Familie & Freunde

Für viele stellt sich die Frage, ob sie Jäger werden oder nicht gar nicht so richtig. Denn wenn es in deiner Familie schon einige Jäger gibt, bist du höchstwahrscheinlich schon sehr früh mit dem Jagen in Berührung gekommen. Wenn die Eltern vielleicht sogar noch ein eigenes Revier haben, hast du von Anfang an alle Möglichkeiten zu erleben was das Jagen so besonders macht.

Die Vorkenntnisse, die sich andere für die Jägerprüfung erst aneignen müssen bzw. nicht besitzen, haben Personen mit einem jagdlichen Familien- und Freundeskreis bereits, wodurch der Jagdschein theoretisch wie praktisch deutlich leichter fällt. Zudem fällt auch meist die Frage weg, wie du an eine Jagdgelegenheit kommst.

Für viele ist es eine familiäre Tradition, die es fortzuführen gilt. Jagen ist auch immer mit anderen Menschen verbunden und gesellig, auch über die klassischen Gesellschaftsjagden hinaus. Da gibt es die anderen Revierjäger, Nachbarreviere und Stammtische mit denen man die gemeinsame Leidenschaft für Natur und Jagen teilt.

Rund um die Jagd gibt es zudem viel Brauchtum, die auch „Neueinsteiger“ motiviert Jäger zu werden. Dazu zählt vor allem die Jagdhundeausbildung oder auch das Jagdhorn blasen. Aber auch die Tatsache, dass es bei der Jagd insgesamt viel um Respekt und Fairness geht (was sich in vielen der jagdlichen Bräuche widerspiegelt) ist für viele attraktiv.

Jagdhundeausbildung

Laut DJV sind es vor allem Frauen, welche über die Jagdhundeausbildung mit dem Thema Jagd in Berührung kommen und sich dafür entscheiden Jägerin zu werden. Jagdhunde werden immer beliebter und so kommt es, dass sich viele intensiv damit auseinandersetzen, wie sie ihren Vierbeiner mit den jagdlichen Anlagen angemessen beschäftigen können.

Die Jagdhundeausbildung ist anspruchsvoll, aber wer schon mal erlebt hat, wie sein Jagdhund in der Arbeit aufgeht für die er gezüchtet worden ist, der wird in der Regel viel Spaß daran finden. Letztlich kann die jagdliche Hundeausbildung nur machen, wer auch Jäger ist. Wer diesen Weg beschreitet, der wird in seinem Jagdleben viele Gelegenheiten haben, zusammen mit seinem Vierbeiner zur arbeiten und gemeinsame jagdliche Erfolge zu erleben.

Sei es auf der Drückjagd, in der du gemeinsam mit deinem Jagdhund „durchgehst“ oder bei der Schweißarbeit, wo es darum geht angeschossenes Wild schnell und tierschutzgerecht zu finden oder bei der Niederwildjagd, wo der Hund dir das Wild anzeigt, hochmacht und apportiert.

Aber egal ob Männlein oder Weiblein, Hunde gehören zur Jagd und für viele ist es der Grund überhaupt Jäger zu werden.

Die Jaghundeausbildung ist einer der Hauptgründe, um Jäger zu werden.

Interesse an Schusswaffen

Waffeninteresse ist ebenfalls ein Grund, um Jäger zu werden. In Deutschland ist der Zugang zu Waffen und Munition (zu Recht) streng geregelt. Wenn du in Deutschland Waffen besitzen und regelmäßig Schießen möchtest, hast du in erster Linie die Möglichkeit einem (Sport-)Schützenverein beizutreten oder du kannst Jäger werden. Es gibt zwar noch den „großen“ Waffenschein, aber der ist deutlich stärker reglementiert als die beiden vorherigen Optionen.

Die Jagdausbildung umfasst alle Kenntnisse, die für einen sicheren Umgang mit Schusswaffen nötig sind. Das umfasst u.a. das Waffenrecht, technische Merkmale von Schusswaffen, Munition und Handhabung von Waffen. Schießtraining gehört ebenfalls dazu, du wirst lernen wie du richtig mit Büchse, Flinte und Kurzwaffe umgehen musst.

Als Jäger wirst du neben der Jagd immer auch die Möglichkeit haben auf dem Schießstand oder im Schießkino regelmäßig zu trainieren. Zudem gibt es Wettbewerbe oder Jagd-Parcours für das Schrotschießen. Das alles macht viel Spaß und ist für viele ein Grund Jäger zu werden.

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