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Jagdschein
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Warum Jäger werden? 6 gute Gründe für den Jagdschein

Naturerlebnis, Naturschutz, Wildbret und mehr: Das treibt die meisten an, die heute den Jagdschein machen. Und das solltest du vorher wissen.

Geschrieben von

Michaela

Jäger seit 2022

Veröffentlicht

28.10.2022

Aktualisiert

03.10.2026

9 Min. Lesezeit

Warum solltest du überhaupt Jäger werden und eine Jagdausbildung beginnen? Eines ist sicher, egal was deine Gründe sind, du bist mit dem Wunsch, Jäger zu werden, nicht allein. Noch nie hatten so viele Menschen in Deutschland einen Jagdschein, und noch nie haben so viele die Jägerprüfung bestanden.

Wir zeigen dir die sechs häufigsten Gründe, warum Menschen heute den Jagdschein machen. Und weil zur Entscheidung auch die unbequemen Seiten gehören, sagen wir dir am Ende ehrlich, was auf dich zukommt.

So viele Menschen werden Jäger

Im November 2025 gab es in Deutschland 467.682 Jägerinnen und Jäger, so viele wie nie zuvor (DJV). Auch der Nachwuchs wächst: 2025 sind 24.076 Menschen zur Jägerprüfung angetreten, 18.423 haben bestanden. Die Zahl der bestandenen Prüfungen hat sich in 20 Jahren mehr als verdoppelt.

Die Jagd wird außerdem weiblicher. Unter den Jagdschülern liegt der Frauenanteil inzwischen bei 29 Prozent. Und viele kommen ohne jagdlichen Hintergrund: In der DJV-Befragung von 2021 hatte gut jeder vierte Jagdschüler vorher keine Erfahrung mit der Jagd, fast jeder vierte kam aus der Stadt.

Eines zeigen die Zahlen aber auch: Fast jeder vierte Prüfling fällt durch. Reines Interesse reicht also nicht, um Jäger zu werden. Wie die Prüfung in deinem Land abläuft, steht im Beitrag Die Jägerprüfung in deinem Bundesland.

1. Intensives Naturerlebnis

Für die meisten ist das der wichtigste Grund, und das schon seit Jahren. Bei der Jagd bist du unmittelbar in der Natur unterwegs, im Wald, auf dem Feld, an der Wiese oder am Wasser. Und zwar nicht als Besucher, der am Wochenende auf dem Wanderweg bleibt.

Um erfolgreich zu jagen, musst du deine Umgebung genau kennen. Du lernst Spuren zu lesen, Wildwechsel zu erkennen und das Verhalten der Tiere zu verstehen. Du bist bei Sonnenaufgang draußen, bei Regen und im Winter bei Schnee. Dadurch erlebst du die Jahreszeiten und die Zyklen in der Tierwelt viel bewusster als vorher.

Viele Jäger sagen, dass sie ihren Wald erst durch die Jagd richtig kennengelernt haben. Und es gibt kaum etwas Ruhigeres als einen frühen Morgen auf dem Ansitz, wenn der Wald langsam aufwacht.

2. Gelebter Naturschutz

Die Aufgaben eines Jägers lassen sich nicht auf das Erlegen von Wild reduzieren. Als Jäger bist du zur Hege verpflichtet. Das heißt, du sorgst für einen gesunden Wildbestand und für den Erhalt seiner Lebensräume.

In der Praxis bedeutet das zum Beispiel: Hecken und Blühflächen anlegen, Rehkitze vor der Mahd retten, junge Bäume vor Verbiss schützen und Hochsitze instand halten. Laut einer Befragung des Deutschen Jagdverbands verbringen Jäger im Schnitt über 41 Stunden im Monat in der Natur, knapp 16 Stunden davon mit Arbeit im Revier. Für Biotoppflege und Artenschutz geben sie zusammen rund 130 Millionen Euro im Jahr aus eigener Tasche aus (DJV-Mitgliederbefragung 2022).

Dazu gehört auch, eingewanderte Arten wie den Waschbären zu bejagen, die heimischen Vögeln und Amphibien schaden. Im Jagdjahr 2024/25 haben Jäger 284.220 Waschbären erlegt (DJV). Gerade junge Jagdschüler wollen selbst anpacken, das zeigt die Jungjägerbefragung deutlich.

3. Wildbret als ehrliches Lebensmittel

Für immer mehr Menschen ist Wildbret ein Grund, Jäger zu werden. Wer gern Fleisch isst und keine Massentierhaltung unterstützen möchte, setzt sich irgendwann mit der Herkunft seines Fleisches auseinander.

Wild lebt bis zum letzten Moment in freier Wildbahn. Es wird nicht gemästet und nicht mit Medikamenten behandelt. Weil es sich viel bewegt, ist das Fleisch in der Regel mager. Ob Reh, Wildschwein oder Hirsch, keines dieser Tiere hat je einen Stall gesehen.

Und du gehst den ganzen Weg selbst: erlegen, aufbrechen, zerwirken und zubereiten. Das Fleisch auf deinem Teller ist nicht anonym in Plastik verpackt. Als Jäger weißt du besser als die meisten, dass dein Essen einmal ein lebendes Tier war. Das hat viel mit Wertschätzung zu tun. Damit Wildbret ein einwandfreies Lebensmittel bleibt, lernst du in der Ausbildung übrigens auch alles über Wildbrethygiene. Das ist sogar ein eigenes Prüfungsfach.

4. Jagdhunde

Hunde gehören zur Jagd, und für viele sind sie der Grund, überhaupt Jäger zu werden. Bei Frauen steht die Jagdhundeausbildung als Motiv sogar auf Platz vier, bei Männern auf Platz sechs (DJV-Jungjägerbefragung 2021).

Oft fängt es mit einem Hund aus einer jagdlichen Rasse an, der mit Spaziergängen allein nicht ausgelastet ist. Wer seinen Hund jagdlich führen und auf Prüfungen wie der Brauchbarkeitsprüfung vorstellen möchte, braucht dafür in der Regel selbst einen Jagdschein. Welche Prüfungen es für Jagdhunde gibt, liest du in unserem Überblick zu den Jagdhundprüfungen.

Die Ausbildung ist anspruchsvoll. Aber wer einmal erlebt hat, wie ein Jagdhund in der Arbeit aufgeht, für die er gezüchtet wurde, will das nicht mehr missen. Sei es bei der Nachsuche, wenn es darum geht, krankgeschossenes Wild schnell zu finden, bei der Drückjagd oder auf der Niederwildjagd, wenn der Hund vorsteht und apportiert. Wie die Ausbildung abläuft, liest du im Beitrag Jagdhundeausbildung.

5. Gemeinschaft und Tradition

Für viele stellt sich die Frage, ob sie Jäger werden, gar nicht richtig. Wer in einer Jägerfamilie aufwächst, kommt früh mit der Jagd in Berührung und führt eine Tradition fort. Ein großer Vorteil: Die Frage, wo du nach der Prüfung jagen kannst, ist dann meist schon beantwortet.

Aber auch wer neu dazukommt, findet schnell Anschluss. Jagd ist gesellig. Es gibt gemeinsame Jagden, den Hegering, Stammtische und die Nachbarreviere, mit denen man sich abstimmt. Dazu kommt das jagdliche Brauchtum, vom Jagdhornblasen bis zu den Bräuchen rund um das erlegte Stück. Vieles davon dreht sich um Respekt vor dem Wild und Fairness untereinander, und genau das finden viele attraktiv.

6. Schießen und Waffen

Ja, auch das Interesse an Schusswaffen ist ein Grund, aber ein kleiner. Nur 5 Prozent der Jagdschüler nennen es als Motiv. In Deutschland ist der Zugang zu Waffen und Munition (zu Recht) streng geregelt. Neben dem Jagdschein führt der Weg zu eigenen Waffen vor allem über den Schießsport.

In der Ausbildung lernst du alles, was du für den sicheren Umgang brauchst: Waffenrecht, Waffentechnik, Munition und die Handhabung von Büchse, Flinte und Kurzwaffe. Wie ernst das genommen wird, merkst du spätestens in der Waffenhandhabung der Prüfung. Und auch danach bleibt das Schießtraining Pflicht und Freude zugleich. Im Schnitt gehen Jäger dreimal im Jahr auf den Schießstand oder ins Schießkino (DJV-Mitgliederbefragung 2022), weil ein sauberer Schuss eine Frage des Tierschutzes ist.

Warum gibt es überhaupt Jagd?

Diese Frage stellen nicht nur angehende Jäger. Die Antwort ist eigentlich einfach: In unserer Kulturlandschaft fehlen große Beutegreifer weitgehend, und Wild findet auf Feldern und in Wäldern reichlich Nahrung. Ohne Jagd würden manche Bestände stark wachsen, mit spürbaren Folgen.

  • Wildschäden: Rehe und Hirsche verbeißen junge Bäume, Wildschweine wühlen Wiesen und Maisfelder um. Gerade beim Umbau zu klimastabilen Mischwäldern ist das ein großes Thema.
  • Tierseuchen: Die Afrikanische Schweinepest wurde am 10. September 2020 erstmals in Deutschland bei einem Wildschwein nachgewiesen (Friedrich-Loeffler-Institut). Jäger halten die Bestände in Schach und helfen bei der Suche nach verendeten Tieren. Im Jagdjahr 2024/25 kamen 569.019 Wildschweine zur Strecke.
  • Wildunfälle: Die Versicherer haben 2024 über 276.000 Wildunfälle mit Pkw registriert, mit Schäden von mehr als 1,1 Milliarden Euro (GDV). Jäger werden bei einem Wildunfall gerufen, um verletztes Wild zu erlösen oder nachzusuchen.
  • Artenschutz: Wer Fuchs, Waschbär und Marderhund bejagt, schützt bodenbrütende Vögel wie Rebhuhn und Kiebitz.

Jagd ist also kein Selbstzweck. Sie ist ein Teil der Verantwortung für eine Landschaft, die der Mensch ohnehin längst gestaltet.

Was du ehrlich wissen solltest

Bevor du dich anmeldest, solltest du auch die anderen Seiten kennen. Den Aufwand solltest du nicht unterschätzen.

  • Die Ausbildung kostet Zeit. Der DJV empfiehlt mindestens 120 Stunden Theorie und 40 bis 50 Stunden Praxis. Beim Kreisjägerschafts-Kurs verteilt sich das über mehrere Monate.
  • Die Jagd ist nicht ganz günstig. Für Kurs, Prüfung und Jagdschein solltest du mit 1.500 bis 4.000 Euro rechnen, danach kommen Waffe, Optik und Waffenschrank dazu. Alle Posten findest du unter Alle Jagdschein Kosten.
  • Der Jagdschein allein reicht nicht zum Jagen. Du brauchst ein Revier, in dem du jagen darfst. Für viele Jungjäger ist das die größte Hürde nach der Prüfung. Wie du sie nimmst, steht im Beitrag Die erste Jagdgelegenheit finden.
  • Zur Jagd gehört das Töten. Das klingt hart, aber du solltest dir vorher ehrlich überlegen, ob du das kannst und willst. Frag deine Jagdschule oder einen Jäger in deinem Umfeld, ob du vorab einmal mit auf die Jagd gehen kannst. Dann weißt du es.

So wirst du Jäger

Wenn du dich entschieden hast, ist der Weg klar: Du besuchst einen Vorbereitungskurs, legst die staatliche Jägerprüfung ab und beantragst danach den Jagdschein bei deiner unteren Jagdbehörde.

  1. Voraussetzungen prüfen: Alter, Führungszeugnis, Jagdkurs. Alles dazu unter Die 7 wichtigsten Jagdschein Voraussetzungen.
  2. Ausbildung wählen: Kreisjägerschaft, private Jagdschule oder Hybridkurs. Was zu dir passt und wie du dich gut vorbereitest, steht unter Jagdschein Vorbereitung.
  3. Prüfung ablegen: schriftlich, mündlich-praktisch und Schießen. Die Details zu deinem Land findest du unter Die Jägerprüfung in deinem Bundesland.
  4. Jagdschein beantragen: Welche Jagdscheine es gibt und wie lange sie gelten, erklären wir dir im Beitrag Jagdscheinarten.

Egal welcher Grund dich antreibt: Wenn du offen und neugierig an die Ausbildung herangehst, wirst du viel mehr lernen als nur das, was in der Prüfung abgefragt wird.

Waidmannsheil und viel Erfolg!

Häufige Fragen: Warum Jäger werden?

Warum wird man Jäger?
Die meisten werden Jäger, weil sie die Natur intensiv erleben und aktiv schützen wollen. In der aktuellen DJV-Befragung nennen 69 Prozent das Naturerlebnis, 63 Prozent den Naturschutz und 46 Prozent Wildbret als Lebensmittel. Für viele kommt die Arbeit mit dem Jagdhund dazu.
Lohnt es sich, den Jagdschein zu machen?
Wenn du gern draußen bist, Verantwortung für Wild und Natur übernehmen willst und Zeit für Ausbildung und Revier hast, auf jeden Fall. Rechne aber mit mehreren Monaten Ausbildung und 1.500 bis 4.000 Euro für Kurs, Prüfung und Jagdschein. Und kümmere dich früh um eine Jagdgelegenheit.
Warum gibt es überhaupt Jagd?
Weil große Beutegreifer in unserer Kulturlandschaft weitgehend fehlen. Jäger regulieren die Wildbestände, beugen Wildschäden in Wald und Feld vor, helfen bei der Bekämpfung von Tierseuchen wie der Afrikanischen Schweinepest und schützen bedrohte Arten vor Fressfeinden.
Wie viele Jäger gibt es in Deutschland?
Im November 2025 gab es laut Deutschem Jagdverband 467.682 Jägerinnen und Jäger, so viele wie nie zuvor. 2025 haben 18.423 Menschen die Jägerprüfung bestanden.
Wie viele Frauen machen den Jagdschein?
Unter den Jagdschülern liegt der Frauenanteil laut DJV inzwischen bei 29 Prozent, ein Anstieg um fast die Hälfte in 15 Jahren. Unter allen Jägern ist der Anteil noch deutlich kleiner, in der DJV-Mitgliederbefragung 2022 lag er bei 11 Prozent.
Wie werde ich Jäger?
Du besuchst einen Vorbereitungskurs, legst die staatliche Jägerprüfung ab und beantragst danach bei deiner unteren Jagdbehörde den Jagdschein. In den meisten Bundesländern ist der Kurs Pflicht. Alle Schritte findest du unter Jagdschein Voraussetzungen.

Quellen

  1. DJV, „So viel Jägernachwuchs wie noch nie“, 03.07.2026 (Jägerprüfung 2025, Frauenanteil, Motive): jagdverband.de
  2. DJV, Verbandsbericht 2025/26 (467.682 Jäger im November 2025, Waschbärstrecke 2024/25): jagdverband.de
  3. DJV, Zahlen zu Jagd und Jägern (Jungjägerbefragung 2021, Mitgliederbefragung 2022, Jägerprüfung 2025): jagdverband.de
  4. PIRSCH, Jagdstrecke Schwarzwild 2024/25 (Zahlen des DJV): pirsch.de
  5. GDV, „Wildunfälle haben 2024 über eine Milliarde Euro gekostet“: gdv.de
  6. Friedrich-Loeffler-Institut, Afrikanische Schweinepest: fli.de
  7. Bundesjagdgesetz, § 15 Abs. 5 (Prüfungsfächer): gesetze-im-internet.de

Geschrieben von

Michaela

Michaela lebt im Rheinland und ist über ihren Vizsla zur Jagd gekommen. Mit ihm hat sie die Brauchbarkeitsprüfung für die Niederwildjagd und für die Nachsuche auf Schalenwild abgelegt. Seit 2022 hat sie auch selbst den Jagdschein. Am liebsten jagt sie aktiv mit dem Hund, der Ansitz reizt sie deutlich weniger. Zur Fasanenjagd war sie mit ihm schon mehrmals in Ungarn. In ihren Beiträgen schreibt sie über Vorstehhunde, Ausbildung und Prüfungen, und zwar aus der Sicht einer Hundeführerin, die das alles selbst durchlaufen hat.

Wann darfst du was bejagen?

Die Jagdzeiten regelt jedes Bundesland selbst. Sieh nach, was bei dir gilt.

Jagdzeiten für dein Bundesland